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Langer Weg zur Straße
 

Vor 80 Jahren wurde die Verbindung von Frankenau nach Frebershausen gebaut

Autor: Gerhard Keute,
veröffentlicht mit freundl. Genehmigung von Gerhard Keute
Frankenau/Frebershausen. 80 Jahre ist es her, dass die Straße von
Frankenau nach Frebershausen ihrer Bestimmung übergeben wurde. Zuvor waren Versuche zum Bau einer Eisenbahnlinie von Frankenau über
Frebershausen nach Bad Wildungen gescheitert.

Die Vorgeschichte:
Frankenau war generell in früheren Jahren verkehrstechnisch sehr schlecht erschlossen. Anfang des 19. Jahrhunderts konnte man das Städtchen nur auf unwegsamen Pfaden erreichen. Die alten Höhenwege führten an Frankenau vorbei, ebenso neuere Straßen durch die Täler. Der Bau der Straße nach „Corbach“, vom Neuen Tor bis zur hessisch-darmstädtischen Grenze, und zur Löhlbacher Straße (jetzt Bundesstraße 253) erfolgte von 1835 bis 1847. Der Landweg von Frankenau über Allendorf-Hardtberg nach Frankenberg wurde 1820 gebaut.
Durch den großen Brand von Frankenau 1865 wurde eine Neuanlage der Ortsstraßen notwendig. Die Hauptstraße der Stadt in Richtung Frankenberg, vom Marktplatz bis zum Roten Stein, wurde in der Zeit von 1869 bis 1877 auf die heute noch vorhandene Trasse (Damm) gelegt.
Frebershausen war von Frankenau aus zu dieser Zeit nur per Fußweg zu erreichen. Der Weg in das Wesetal nach Frebershausen, Gellershausen und Kleinern führte über das Alte Scheid und das Himmelreich nach Frebershausen. Fuhrwerke konnten auf solchen beschwerlichen Wegen kaum eingesetzt werden. In Frankenau stand in den 20er-Jahren eine Flurumlegung an. Dabei wurde eine Trasse für den Landweg nach Frebershausen eingeplant. Um die Steilstrecken zum Himmelreich zu umgehen, wurde diese über den Wesenberg, durch das Stättebachtal und ab der Wesemühle über das Huppchental durch das Wesetal gelegt. 1925 begannen die Bauarbeiten. Mit Hacke und Schippe Diese waren sehr aufwendig. Von Frankenau bis zur Höhe auf dem Wesenberg wurden gewaltige Erdbewegungen vorgenommen. Auf Höhe
des Hochbehälters war ein großer Einschnitt ins Gelände erforderlich – mit Hacke und Schippe. Der Aushub wurde auf Kipploren verladen und über Schienen zum Aufschüttungsort verbracht. Als Bauarbeiter wurden überwiegend junge Männer aus Frankenau eingesetzt. Im April 1927 berichtete die Zeitung, dass der Straßenbau nun langsam seiner Vollendung entgegen geht. „Die Beschotterung mit Steinschlag und die Walzarbeiten sind noch auszuführen.“ Der Straßenbau durch den fiskalischen Wald nach Frebershausen wurde im selben Jahr fortgeführt. An den Steilhängen mussten teilweise Stützmauern errichtet werden. 1928 war die Straße endlich fertig. Sie erhielt eine wassergebundene Decke. Die erste Teerdecke wurde nach dem Zweiten Weltkrieg aufgebracht.

Als die Erde bebte
Rätsel um die Absenkung der Wegstrecke

Die Straße nach Frebershausen sollte mit einer Steigung von sechs Prozent ausgebaut werden. Eine Nachvermessung ergab, dass sich der Höhenrücken auf dem Wesenberg um fünf Meter gesenkt hatte. Durch diese Senkung wurde die Wegstrecke um 36 Meter kürzer, die Steigung betrug nur noch vier Prozent. Diese veränderten Bedingungen führten damals zu heftigen Spekulationen und sonderbaren Deutungen. In der Zeitung stand damals: „Man steht hier vor einem Rätsel, da nur einige kleine Erdrisse an der östlichen Seite des Wesenberges, nach dem Wesetale zu, festgestellt sind. Man bringt jetzt diese eigenartige Erscheinung mit einem Vorfall Ende Januar d. Js. In Verbindung, wo die am Straßenbau beschäftigten Arbeiter, morgens gegen 10 Uhr, kurz hintereinander zwei Erdstöße wahrnahmen, die den Boden erzittern ließen und denen ein grollendes Geräusch folgte, das vermuten ließ, dass größere Erdmassen im Erdinnern zusammengerutscht oder eingestürzt seien. Aeltere Einwohner können sich noch erinnern, dass sich am westlichen Hang des Wesenberges ein Stolleneingang nach dem Wesenberg befunden hat, was darauf schließen lässt, dass in früheren Jahren unter dem Wesenberge Bergbau betrieben worden ist.“
Bis heute liegen keine Erkenntnisse über den Grund für die damaligen Erschütterungen vor. Ob in diesem Gebiet Bergbau betrieben wurde, lässt sich nicht nachweisen.

Der Autor
Gerhard Keute (62) wohnt in seinem Geburtsort Frankenau. Der Ruheständler war lange in der Stadtverwaltung beschäftigt. Er ist Vorsitzender des Wander- und Heimatvereins von Frankenau und ein passionierter Heimatkundler. Gerhard Keute ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

 

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