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Der Sagenschatz
Autor: Heinrich Hochgrebe,
veröffentlicht mit freundl. Genehmigung von Gerhard Hochgrebe

Himmelreichsagen

1) Ein alter Frankenauer Schreiner war zur Arbeit in Frebershausen gewesen. Bei anbrechender Dunkelheit begab er sich auf den Heimweg. Auf dem Rücken trug er eine Bohle, die bei der Arbeit übrig geblieben war. Auch er mußte über das Himmelreich und an Dehnerts Grab vorbei. Er hatte jedoch keine Furcht. Als mutiger Mensch, der allen Aberglauben ablehnte, hatte er schon oft diesen Weg gemacht, und nie war ihm etwas Übernatürliches begegnet. Diesmal aber, als er oben auf der Hochfläche bei Dehnerts Grab angelangt war, stand er wie vom Donner gerührt. Vor sich sah er zwei Glieder Soldaten in bunten Uniformen, mit aschfahlen Gesichtern, wie in Fels gehauen stehen. Der Schreiner war derart verblüfft und überrascht, daß ihm fast Hören und Sehen verging. Als er wieder zur Besinnung kam war vom Spuk nichts mehr zu sehen.

2)Einige Jahre später kam ein alter Stellmacher das Himmelreich hinauf. Er war in Gellershausen gewesen und hatte eine Bohle geholt, aus der er eine Schnitzbank machen wollte. Es war ihm spät geworden. Wie er so den Berg hinanstieg, bemerkte er vor sich drei Menschen, die auch langsam den Berg hinaufkletterten. Der Wanderer war hocherfreut über die Gesellschaft und eilte sich, die drei einzuholen. Jedoch trotz aller Anstrengung blieb der Abstand zwischen ihm und den dreien immer der gleiche. Plötzlich, als er bald die Höhe erklommen hatte und Dehnerts Grab sichtbar wurde, machten die drei Halt und stellten sich auf dem Grab in einer Reihe auf. Der alte Stehmacher, der froh war, daß er seine erwünschte Gesellschaft einholen konnte, kam nun auch hinzu, warf seine Last ab, wollte die Bekanntschaft der drei machen und rief freudig: "Guten Morgen, ihr Herren ". Er bekam jedoch keine Antwort. Als er sich seine Gesellschaft näher ansah, bemerkte er, daß vor ihm drei Soldaten in vermoderten Uniformen standen. Und was noch schrecklicher war, zweien fehlte der Kopf und der dritte hatte keine Arme. Als er nach dem ersten Schrecken näher herantrat, waren sie verschwunden.

3)Im vorigen Jahrhundert, als in Frankenau das Hausgewerbe noch blühte, war es bei der weiblichen Bevölkerung Brauch, Handarbeiten wie Häkeleien, Stickereien und Strickarbeiten anzufertigen. Man ging damit in die benachbarten Dörfer und tauschte Lebensmittel dagegen ein, häufig aber auch Flachs, der in Frankenau wegen ungünstiger klimatischer Verhältnisse schlecht geriet. Da trug es sich zu, daß drei alte Weiber nach Eintausch von Flachs aus dem nahen Frebershausen zurückkamen. Es war spät geworden. Um nach Hause zu kommen, mußten sie über das Himmelreich. Langsam stiegen sie den steilen Berg hinan und näherten sich Dehnerts Grab. Plötzlich tat die vorderste einen lauten Schrei. Ihren Augen bot sich ein schauerliches Bild, nämlich das wilde Durcheinander von kämpfenden Soldaten. Die ganze Szene verlief vollkommen geräuschlos. Während die vordere Frau dieses alles mit furchtbarem Schrecken sah und zusammenzubrechen drohte, bemerkten die beiden anderen gar nichts. Sie drangen in die Frau, was denn los sei; doch die konnte nur gebrochen das Schreckliche, was sie gesehen hatte erzählen. Auf dem schnellsten Wege begaben sich die drei wieder zurück in das Nachbardorf. Sie sollen leichenblaß gewesen sein, und. die, die alles sah, soll mit einem Male ergraut sein.

4)Drei Frauen gingen "eh Toge" am Himmelreich vorbei in den Wald, einen Sack Gras zu rupfen. Da bemerkte die eine, ganz entfernt, aber immer lauter werdend, Musik, die unbedingt von etwas Außergewöhnlichem herrühren mußte, denn der nächste Ort, wo man Musik vermuten durfte, war drei Wegstunden entfernt. Außerdem war es noch zu früh am Tage. Der Schrecken der Frauen vergrößerte sich, als auch die beiden anderen die Töne vernahmen. Bestürzt kehrten sie um und eilten auf dem schnellsten Weg nach Frankenau, wo sie mit aller Bestimmtheit ihre Erlebnisse erzählten.


 

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